Erst gestern Morgen hörte ich von dir,
dass du nun fort bist, weit weg von hier.
Die Pläne, kalt und wohl erdacht,
haben dich leise umgebracht.
Ich ging hinaus ins frühe Licht
und schrieb ein Lied aus Zuversicht –
doch weiß ich nicht, wem es noch gilt,
wenn nur das Fehlen die Seele füllt.

Ich ging durch Feuer, ging durch Regen,
auf dunklen Pfaden, unter Segen,
sah Sonnentage, warm und weit
und wünschte mir, sie hielten die Zeit.
Ich kannte Stunden, leer und schwer,
ohne ein Wort, ohne Wiederkehr,
doch tief in mir, ganz leise und still,
blieb stets das Wissen, dass ich dich will.

Dich einmal noch, nur einmal sehen,
bevor wir ganz verloren gehen -
sieh gnädig herab auf mich, o Herr,
denn meine Kraft wiegt nicht mehr schwer,
hilf mir, den Tag heut zu bestehen,
um morgen wieder weiterzugehen.

Ich lag im Gras, die Sonne warm,
der Himmel schützend wie ein Arm,
doch wenn der kalte Wind sich dreht,
stirbt jeder Blick, der Hoffnung sät.
Am Telefon hing ich so lang,
sprach von der Zukunft, voller Drang,
doch süße Träume, flugbereit,
zerschellten hart an der Wirklichkeit.

Und immer war – bei aller Pein –
der eine Wunsch, du könntest sein,
noch einmal hier, noch einmal nah,
bevor ich dich für immer sah
als Feuer, Regen, fernes Licht,
das bleibt – und doch im Dunkel spricht.


© Max Vödisch


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