Gefangenenlied

© G. Höss

Früher, da trugen wir Schmuck,
heute schmücken uns die Ketten.
Wir haben uns nicht weggeduckt,
nun sind wir nicht mehr zu retten.

Früher, da halfen wir in der Not,
heute nötigen sie uns für immer.
Manchmal haben wir kein Brot,
doch vieles ist noch schlimmer.

Früher da konnten wir weinen,
heute fehlt uns die Kraft dazu.
Auch wenn wir in Ehren erscheinen,
ist jedes Wort von uns ein Tabu.

Früher, da sangen wir Lieder,
heute singen unsre Tränen.
Der Masse sind wir zuwider,
für sie müssen wir uns schämen.

Früher, da hatten wir kein Zeichen,
heute zeichnet uns das Leben.
Wir sind einzigartig, ohne Gleichen,
dem Bösen werden wir uns nicht ergeben.

Früher, da zeigten sie auf uns voll Lob,
heute loben uns unsere Striemen.
Und wenn der Mob auch noch so tobt,
wir werden den Titanen nicht dienen!


© G. Höß


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Beschreibung des Autors zu "Gefangenenlied"

Eine Hymne für alle Stigmatisierten

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Kommentare zu "Gefangenenlied"

Re: Gefangenenlied

Autor: humbalum   Datum: 01.10.2021 9:13 Uhr

Kommentar: Das ist ein Spitzengedicht! Das trifft genau den Nerve unserer Zeit! Einfach Super! Ich wünsche Dir ein wunderbaren Wochenende! Klaus

Re: Gefangenenlied

Autor: VaterMartin   Datum: 01.10.2021 9:40 Uhr

Kommentar: Ja, danke lieber Klaus. Ein wenig dachte ich auch an die Mittelschicht von Mittelerde. Es gibt heute so viel Diskriminierung weil man anders ist und ein Gewissen hat.
Liebe Grüße & ein sonniges Wochenende!
Günther

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