Es war mir heut` wie gestern;
wir schritten von Levetzow,
als Brüder und mit Schwestern,
nach Pullitz hin ins Nirgendwo.

Es war mir heut´ wie gestern;
der Wahnsinn trieb sein Spiel.
Wir hörten Menschen lästern,
in unverschämten Stil.

Ach - wäre gestern mir das Heute;
so sänge ich die Hatikvah.
Und ich wär` der Erfreute,
denn ihr, ihr wärt mir nah.

Ach - wäre gestern mir das Heute;
so würde ich bei euch sein.
Und vor der aufgebrachten Meute,
stündet ihr nicht ganz allein.

Heute ist nicht gestern; doch
sind die immer Gestrigen, heute
an Ort und Stelle. Dennoch
werde ich nicht zur Beute.

Heute ist nicht gestern; doch
gehe ich mit Brüdern und Schwestern
die Straße entlang, wie einst Henoch
sehe ich im Heute, kein Gestern.


© Günther Höß


2 Lesern gefällt dieser Text.




Beschreibung des Autors zu "Es war mir heut' wie gestern"

Gedanken nach einer Demonstration zum Gedenke der ermordeten jüdischen Mitbürger während der Novemberprogrome 1938.

Diesen Text als PDF downloaden




Kommentare zu "Es war mir heut' wie gestern"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Es war mir heut' wie gestern"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.