Wenn das Jahr leiser wird
und die Sprache Atem holt,
treten wir zusammen
nicht aus Pflicht,
sondern aus Verbundenheit.

Zwischen Zeilen und Gedanken
liegt das, was trägt:
ein Wort, das nicht glänzen will,
sondern gilt.
Ein Satz, der nicht siegt,
sondern sammelt.

Weihnacht ist der Punkt,
an dem Schreiben nicht drängt,
sondern zuhört.
Wo das Ungesagte Raum bekommt
und das Wesentliche
wieder lesbar wird.

Im Kreis der Schreibenden
wird Stille zur Quelle,
Erfahrung zur Tiefe,
und Verantwortung
zur leisen Form von Hoffnung.

Möge diese Zeit
uns die Sprache zurückgeben,
die wärmt,
die verbindet
und die bleibt.

Gesegnete Weihnacht
dem SchreiberNetzwerk –
und ein neues Jahr,
in dem Worte Haltung tragen.


© TIMO ERTEL


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Beschreibung des Autors zu "Weihnacht im Kreis der Worte"

Dieses Weihnachtsgedicht richtet sich an Schreibende als Gemeinschaft.
Es versteht Weihnacht nicht als äußeres Ereignis, sondern als innere Haltung:
als Moment der Sammlung, der Verantwortung und der Rückkehr zum Wesentlichen.
Im Mittelpunkt stehen Sprache, Stille und Verbundenheit.
Worte erscheinen hier nicht als Mittel zur Selbstdarstellung,
sondern als Träger von Sinn, Maß und Hoffnung.
Das Gedicht eignet sich für das SchreiberNetzwerk,
weil es Schreiben als Dienst an der Gemeinschaft begreift:
zuhörend, ordnend, tragfähig – gerade in einer Zeit,
in der laute Meinungen oft das leise Wort verdrängen.
Es lädt dazu ein, das neue Jahr nicht mit mehr Lautstärke,
sondern mit mehr Haltung in der Sprache zu beginnen.

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