Kerzenlicht flackert sanft.
Eine barocke Leuchte schenkt warmes Licht.
Flammen knistern in der grünen Kachel.
Der Nachmittag gehüllt in trüben Regenhauch.
Kaffeeduft, frisch gemahlen.
Omas Rosinenschnitten im zimtigen Gewand.
Sanft hüllt Piano-Jazz den Raum um mich.
Sinne ruhen im Sessel aus altem Leder.
Tagwerk vollbracht.
Kohlen und Kohl eingelagert,
Äpfel, so süß, zum Trocknen gelegt.
Nüsse, all vom Baum gefallen
und mit den Nagern geteilt.
Pflaumen, süß, im Glas und Eis.
Zwiebeln hängen im Zopf geknotet,
Kartoffeln, klein und fein, aus Säcken geladen.
Jetzt ist sie da, die von mir so geliebte Zeit.
Keine Frage, Sonnenschein bei blauem Zelt,
noch wärmend auf der Haut,
lau der Sommerabend,
Vogelgezwitscher weit in der Dämmerung.
Seine Reize für mich nie verliert,
doch ich liebe die Melancholie,
dies bizarr’ Gebilde.
Geheimnisvolles mich umhüllt,
Wissen, Unruh ist vieler Ort,
beschützt zu sein
in meinem kleinen Od.
Umhüllt von Schatten, diffusem Licht,
Geräuschen so klar
und naiver Ordnung.
Ein Moment des Getragenwerdens,
des Eintauchens in einen Raum
der Vollkommenheit.
Geschaffen aus Unscheinbarem,
doch wenigem, gar nichts.
Zufriedenheit und Harmonie
im Sein.
Ein Augenblick ohne Beginn,
ein Moment ohne Vergehen,
ohne Zeit.
Vom Piano im Hintergrund Dur und Moll
im weichen Wechsel meines Herzschlages.
Die Flamme der Kerze swingt im Rhythmus
meines Atems.
November-Sein.
„November-Sein“ ist ein leises Gedicht über das Ankommen im Augenblick – ein Innehalten zwischen Licht und Schatten. In sanften Bildern von Kerzenlicht, Kaffeeduft und flackernden Flammen entfaltet sich ein Raum der Ruhe und Wärme, während draußen Regen und Vergänglichkeit leise anklopfen. Die Melancholie des Spätherbstes wird hier nicht als Verlust, sondern als tiefer Friede empfunden – als Zustand stiller Fülle. So wird der November zu mehr als einer Jahreszeit: zu einem inneren Ort, in dem Sein, Zeit und Erinnerung ineinanderfließen.
Kommentar:Hallo, Aaaaaaaaaaaaaaaaaaach ist das ein schönes Gedicht!!! Er innert mich immer an meine Oma, die sich damals in den 60er doch für alle so in die Arbeit gestürzt hat nur um es schön, warm und bequem zu haben. Mein Opa, hatte nur ein Bein, Kriegsverletzung, konnte ihr nich mal helfen. Deswegen war ich immer als 9jähriger an ihrer Seite und waren oft im Wald um Esskastanien oder auch Äpfel vom Bauern mit einem alten Leiterwagen mit Holzrädern und Stahlumreifung zu holen. Diese wurden dann eingekocht oder zum Trocknen über den alten Holzofen an einer Leine aufgehängt. Die ganze Wohnung hat nach Äpfeln und Esskastanien gerochen, weil wir diese auf die heiße Herdplatte gelegt haben. Es war ein sehr einfaches Leben aber es hat es bis heute geprägt. Wenn man die Zeit zurückkurbeln könnte würde ich es machen. Da gab es nur S/W Fernsehen und nur 2 Sender! Man hatte so viel mehr Zeit für sich und weniger von dem Gequatsche. Ich wollte heute würde sinnvolles im Radio oder auch in der Glotze laufen aber zum Glück gibt es YouTube und da kann man sich sein Interessensgebiet herauspicken. Lesezirkel hat mein Oma auch noch im Winter mit einem Schlitten rausgefahren. Ich war einmal auf dieser Reise anwesend. Sie spannte sich wie ein Ochse mit langen Lederriemen die in die Schultern schnitten davor. Und wenn eine offene Straße vor ihr lag musste sie denn ganzen Kram runter heben, alles einzeln rüber auf die andere Straßenseite bringen und dann ging es erst mal weiter. Es war eine echt Keulerei. Nicht mal ihre Rente konnte sie genießen denn sie starb wenige Wohen vor ihrer erstauszahlung an einem Hirntumor. Ich hoffe, ich treffe sie wieder, wenn wir alle den selben Weg gehen die alle irgendwann wieder gehen müssen! In diesem Sinne ein ganz tolles Gedicht das alte Zeiten in mir geweck haben. Das ist das schöne am Gedichteschreiben! Erinnerung wach zu halten um sie weiter an andere Genereationen zu geben!
Deine Erinnerungen habe ich mehr als einmal gelesen. Sie hat mich mit Freude und Wärme überzogen, solche Gedanken aus Dir hervor gerufen zuhaben.
Vieles von Deinem Geschriebenen, ergab bei mir einen Dominofall und hat ebenfalls zu Gedanken mit schönen Erinnerungen geführt.
Ich wünsche Dir ein Treffen mit Deiner Oma und wahrscheinlich vielen noch. Bei mir sind all die, ob noch im Diesseits oder wo auch immer, in dem Moment in dem sie im Raum meiner Gedanken auftauchen, präsent.
Dieses Gefühl scheint bei Dir ebenso in einer Form dazu sein, zumindest kommt es bei mir so an.
Ganz ganz lieben Dank für das Teilen von Erinnerungen aus einer Zeit, die schon weit zurück liegt.
Vielleicht eine kleine Erinnerung...in den Sechzigern war ich mit meiner Oma, bei meiner Uroma für ein paar Wochen in den Ferien. Und gemeinsam sind wir, sitzend auf einem Pritschenwagen, vor den ein Ackergaul gespannt war, aufs Feld und haben die vom Pferdepflug und Bauer freigelegten Kartoffeln aufgesammelt.
In diesem Sinne, liebe Grüße aus dem Jetzt.
Herzlichts Harald (Tom)
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Mit fremden Federn schmückt sich der,
der mit dem Kopf tut sich schwer.
Dabei wird es einem recht leicht gemacht,
was man mit eignem Geist nicht schafft.