Novemberblues

Nun ist der November an der Kette.
Ich weine ihm keine Träne hinterher.
Nicht, weil ich nichts zu weinen hätte,
nein, ich habe einfach keine mehr.

So viele nahm der Monat fort.
Ach, was würde ich nicht alles geben,
säßet ihr auf jener Parkbank dort
und wäret noch am Leben!

Ein Lächeln und ein Wimpernschlag,
im Mundwinkel lässig eine Zigarette.
Ich wünschte mir nur einen Tag,
an dem ich alle um mich hätte.

Die Verluste sind so schwer zu tragen.
Wie könnte ich mich selber feiern?
Wie der Himmel ist in diesen Tagen,
ist auch mein Herz: so grau und bleiern.

Jährlich sucht mich der November heim.
Auch diesmal habe ich mich nicht ergeben.
Zum Glück folgt der Dezember hinterdrein,
haucht Wärme in mein Herz. Und Leben.


© Verdichter


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Kommentare zu "Novemberblues"

Re: Novemberblues

Autor: Bluepen   Datum: 01.12.2020 8:23 Uhr

Kommentar: Liebe Verdichter,

ich kann deine Zeilen sehr gut nachvollziehen, da auch in meiner Familie viele liebe Menschen verstorben sind.

LG - Bluepen

Re: Novemberblues

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 01.12.2020 10:39 Uhr

Kommentar: Liebe Verdichter,
der November an sich ist schon recht deprimierend. Wenn man dann auch noch an die Lieben erinnert wird, die man verloren hat, ist das ein Gefühls-Chaos. Du drückst das in deinem Gedicht aus, aber es kommen auch wieder erfreulichere Zeiten.
Liebe Grüße Wolfgang

Re: Novemberblues

Autor: Jens Lucka   Datum: 02.12.2020 17:31 Uhr

Kommentar: Bei deinen Zeilen wird mein Herz auch schwer. Auch bei uns hats in der Winterzeit mächtig eingeschlagen. Muss man sich seine Lebensfreude neu erkämpfen ?

Liebe Grüße von Jens

Re: Novemberblues

Autor: Mark Widmaier   Datum: 09.12.2020 15:45 Uhr

Kommentar: Du schreibst mir aus dem Herzen, liebe Verdichterin, und einfach wunderschön :-)

Liebe Grüße Mark

Re: Novemberblues

Autor: mychrissie   Datum: 12.12.2020 14:33 Uhr

Kommentar: Ich habe das gleiche erlebt. Hier ein Sonett darüber:

Das Ende

Und dann war in den weißen Klinikwänden
dein letztes Atmen noch und dann dein Geh'n.
Dein müder Herzschlag blieb als Linie steh'n,
und ich stand, Blumen in den kalten Händen.

Wo lass ich meine zärtlichsten Gebärden,
wenn du nicht mehr an meiner Seite bist?
Erinnerung, die meinen Schlaf auffrisst,
treibt mich durch Nächte, lässt es Morgen werden,

treibt mich durch neue Nächte, neue Tage –
bis deine Bilder sich in mir verwischen.
Und bitter wird mein Mund. Und ohne Klage

sitz' ich an fremd geword'ner Freunde Tischen
und denk, obwohl kein Trostwort sie versäumen,
nur an dein Geh'n in jenen weißen Räumen.

Ich wünsche Dir ganz viel Resilienz, Peter

Re: Novemberblues

Autor: Verdichter   Datum: 20.12.2020 0:20 Uhr

Kommentar: Lieber Peter, bei deinen Zeilen muss ich sehr schlucken. Genau so ist's und niemand könnte es besser ausdrücken. So traurig und so wundervoll.

Dank auch an alle anderen für die mitfühlenden Kommentare.

Gruß, Verdichter

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