Der Totentanz der letzten Blätter,
Die taumelnd auf den nassen Boden sinken,
Man nennt naiv es einfach „schlechtes Wetter“
Obwohl schon off'ne Gräber gähnend winken.

Der Dichter sinnt nach tröstenden Vergleichen,
Nach Mythen von Vergeh’n und Wiederkehr
Und er sucht jedes mal nach Hoffnungszeichen,
Doch Hoffnung gibt es keine einz’ge mehr

Als einzig Sinnvolles will es mir heut erscheinen,
In warmes Tuch mich sorgsam einzuhüllen,
den frostigen Winter einfach durchzuweinen,
um ihn mit warmen Tränen auszufüllen.

Ach, „Eia Weihnacht“ klingt es in Kapellen,
Und Lichterketten blinken an den Ecken,
Was sollen wir der Nacht entgegenstellen?
Aus der uns niemand jemals sollte wecken.

Vielleicht ein Stückchen bröseligen Kuchen,
Den an den Kanten schon der Schimmel schmückt,
Wen es nicht ekelt, kann ihn mal versuchen,
Auch wenn danach der Magen heftig drückt.

Ein Sehnsuchtsschrei nach warmer, heller Sonne
Dringt durch die Häuserschluchten schrill und laut,
Es hat wohl der nur eine Chance auf Wonne,
Der schnell nach einem Flug zum Süden schaut.


© Peter Heinrichs


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Kommentare zu "Depressives Herbstgedicht"

Re: Depressives Herbstgedicht

Autor: agnes29   Datum: 31.12.2018 18:02 Uhr

Kommentar: Sehr schön deine Zeilen, lieber Peter, ich habe es gerne gelesen.
Wünsche dir ein gesundes Neues Jahr.
Liebe Grüße,
Agnes

Re: Depressives Herbstgedicht

Autor: mychrissie   Datum: 01.01.2019 2:00 Uhr

Kommentar: Liebe Agnes, ich wünsche Dir, dass Du auch gut im Neuen Jahr gelandet bist. Möglichst mit den Füßen fest auf dem Boden der Realität.

Gruß Peter

Re: Depressives Herbstgedicht

Autor: Alf Glocker   Datum: 01.01.2019 16:52 Uhr

Kommentar: klassisch schön!

Gruß
Alf

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