Der Sommer geht in Schritten,
noch warm ist Feld und Flur;
die Ähren stehn inmitten
der goldgereiften Natur.
Die Sonne sinkt schon früher,
der Abend atmet mild;
der Brombeerhang wird dunkler
des Sommers spätes Bild.
Der Herbst folgt bald darauf,
zieht Nebel durch die Weiten;
das rote Laub nimmt seinen Lauf,
die Winde ziehn durch Zeiten.
Die Buche lässt ihr Blätterkleid,
die Eiche hält noch stand;
der Kranich zieht zur Wanderzeit
hinweg ins ferne Land.
Dann kommt des Winters Schweigen,
der Frost versiegelt Bach und Rain;
die kahlen Äste neigen
sich in den Schnee hinein.
Noch später fahr’n wir Schlitten,
wenn weiß die Wege stehn;
durch Flocken, Frost und Mitten
wird selbst die Stille schön.
Doch unter hartem Grunde
bewahrt die Erde still
in ihrer dunklen Stunde,
was wieder wachsen will.
Dann steht der Frühling bereit,
mit Lerchenschlag und Licht;
das Buschwindröschen zeigt
sein erstes weißes Gesicht.
Die Knospen öffnen wieder,
der junge Feldahorn grünt;
die Amsel singt ihre Lieder,
bis neu der Sommer blüht.
So geht das Jahr in Kreisen,
doch kehrt kein Tag zurück;
die Jahreszeiten reisen —
und wir mit ihnen Stück für Stück.
Denn Werden heißt auch Scheiden,
und Ende trägt Beginn;
die Zeit lässt nichts verbleiben
und schenkt gerade darin Sinn.
© Timo Ertel, 2026
© DERGROSSE1978
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