Sind Börsenanalysen der Weg zum Erfolg?

© Walter Rieck

Tagein, tagaus, es ist bekannt,
geben sich Analysten an der Börse die Hand.
Der eine rät dies, der andere das,
gestern gab ein Herr mit „Strong Buy“,
seine Werte zur Anlage frei,
heute ein Profi über den Bildschirm uns beehrt,
meint diese Aktien sind nichts wert,
gibt kräftig an und haut eins drauf,
rät ganz dringend zum Verkauf.

Ja, was vor zwei Monaten das „Gelbe vom Ei“
wird schnell abgestuft, nun nichts mehr sei.
Schneller wie bei Sturm und Wind,
dreht sich die Meinung ganz geschwind.
Ist auf den Rat der Analysten Verlass
oder treiben sie mit den Anlegern ihren Spaß?
Hat etwa manch einer vorgekauft,
bevor sein Rat über den Bildschirm läuft?
Solange Anleger nach dem Papier rennen,
hat er Zeit, kann er sich mit Gewinn trennen.

Wie der Gärtner mit seinem Garten,
will und muss er mit Erfolg aufwarten,
nach diesem strebt der Analyst halt auch,
sonst fällt er wirtschaftlich auf den Bauch.
Am schönsten Plätzchen im Sonnenschein
möchte er nicht der Letzte sein.
Darum ist es etwas Fatales,
bestimmt die Börse nicht nur Fundamentales.
Gewinn und Verlust sind Nebensachen,
wenn man nur schaut was andere machen.

Wenn die Herde einmal rennt,
sie nur eine Richtung kennt.
Ein Anhalten gibt es dann nur noch allenthalben,
zum Fressen und zum Kalben.
So folgt auch der Anleger blind und brav
gleich mit der Herde wie Kuh oder Schaf.
Der automatische Börsenhandel macht das Gleiche
stellt für den Anleger oft zusätzlich die Weiche.
Trendfolgeanalysen die man Charts nennt,
heutzutage jeder kennt.

Zahlreiche Experten sich nur danach richten,
so sie die Kehrtwende nicht schaffen, Kapital vernichten.
Geht die Talfahrt zu Ende erfinden sie als letztes die Wende.
Doch alsbald, der Zwang zum Erfolg hat es befohlen,
werden sie die Herde überholen.
Sind sie wieder ganz vorne, es gehört ins Buch der Witze,
glauben sie selber sie sind spitze.

Hätte nicht manch schlauer Rabe
als Leihgabe vom Zoo die bessere Gabe.
Träfe aus guten Werten fundamental
er nicht letztendlich die bessere Wahl?
Die schwarzen Gesellen, sie sind schlau,
können gut picken, zielgenau.
Die Aktiennamen müsste man beizeiten
auf schnabelgerechte Klötzchen schreiben.
Der Rabe bettelt als Gage nach etwas Futter,
für den Anleger wäre anschließen alles in Butter.
Auch wenn der Vogel ganz verschmitzt,
ein Aktiendepot er nicht besitzt.


© Walter Rieck


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Beschreibung des Autors zu "Sind Börsenanalysen der Weg zum Erfolg?"

Es mag ja gute Analysten geben, es tummeln sich jedoch so manche in einer Grauzone des Erfolgs anderer und mahnen verspätet zur Vorsicht. Mein Gedicht zeigt einen leicht ironischen, nicht unbedingt ganz ernst zu nehmenden Blickwinkel auf das Börsengeschehen.

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