Das Herz vertrocknet ohne Wurzeln;
wird knöchern und steinig;
irgendwann dann nur noch das Geld ihm heilig.

So einsam er wird;
so sehnsüchtig er bleibt
nach einer anderen Wirklichkeit;
hinter stählernen Wänden
darf die Liebe nicht verenden.

In den Händen jedoch zerrinnt die Welt
wie Sand durch Finger rieselt;
vergessen daher das erste Glück
uns so es kehrt nie mehr zurück.

Selbständig ohne zu teilen;
zu hastig einen Moment noch zu verweilen;
bei deinen Eltern;
Bist nun in heimischen Gefilden
fremd geworden.

Dachtest man müsse sich abnabeln;
setztest dies gleich mit dem Verlassen
und bist dabei doch nur
ein Opfer kapitaler Propheten;
da sind Gefühle nicht erbeten.

Der Maschine getrimmtes Zahnrad ohne Emotion;
muss funktionieren: Dein Joch und deine Endstation.

Das ist Wasser auf die Systemmühlen;
Verirrte im Labyrinth geleckter Automaten;
werden Lemminge mit Scheuklappen und ohne Rückgrat;
Produkt der Architektur des großen Selbstverrat.

Zurück bleibt:
Von wahrer Liebe getilgte Fläche;
Vorne wartet:
Der Kopf ohne das Gesicht;
die Adern ohne das Blut;
denn Nein, du hast nicht den Mut;
Anders zu sein;
Dein Herz ist zu klein.

Im Land der Karrieristen, die die Werte vergessen,
sind wir dem Teufel aufgesessen.
Denn des heißen Blutes Treue familiärer Kreis;
schützt auch noch den ärmsten Greis vorm Erfrieren.
Aber seine Kinder wohnen weit weit weg.

Kälte nagt am Land der Menschen;
denken sie seien Unabhängig;
doch wären nicht auf dieser Welt
ohne sie, ihre Eltern.

Seid einer Propaganda erlegen,
habt die Kinder falsch erzogen.
Armut im Herz ist der Schlüssel
der Kurbel des Kommerz und:
Wer die Liebe verrät, am Ende unter die Räder gerät.

Vereinzelung als Unabhängigkeit;
Selbständigkeit ohne Wurzeln
ist aber Einsamkeit, Trostlosigkeit.
Und wer sein Brot nicht mit Kameraden teilt;
der so langen Schrittes in den Hades eilt.


© Copyright J. Renner 2019


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Beschreibung des Autors zu "Sich im Stich lassen"

An die einsamen Karrieristen dieser Welt:

Die Zeilen enstanden aus dem Gefühl heraus, dass es in der immer schneller und digitaler werdenden Welt immer wenige echte Gefühle gibt.

Besonders die Solidarität und Liebe innerhalb von Familien bröckelt. Ich habe viele Bekannte und Freunde mit ausländischen Wurzeln . Warum Kinder sich derart von ihrer Eltern "abnabeln" müssen, um unabhängg zu sein, verstehen viele nicht. Ich auch nich!

Man kann auch unabhängig und selbständig sein und GLEICHZEITIG seine Eltern lieben und respektieren.
In Deutschland scheint es heutzutage ein Credo zu sein, dass jeder sein "eigenes Leben" führen soll und muss. Doch das eigene Leben gäbe es ohne die Eltern nicht.

Und ein eigenes Leben schließt den Einbezug der eigenen Familie doch nicht aus. Sicher mag es auch Menschen geben, die zurecht nichts mehr von ihren Eltern wissen wollen.
In der Mehrzahl der Fälle ist es aber Ignoranz und Stumpfheit. Man verdankt den Eltern in der Regel viel.

Altersarmut ist ein politisches Problem aber auch ein Gesellschaftliches.
Alte Menschen vereinsamen zu lassen, obwohl man für sie da sein könnte, ist grausam und leider ein wachsendes Merkmal unserer Zeit.

Ein Mensch, der mit seinen Eltern zusammen lebt und diese unterstützt ist in meinen Augen erwachsener und selbständiger, als die Karrieristen dieser Welt, die denken, man müsse seine Eltern allein zurück lassen.

Natürlich muss man mal wegen Studium oder Job woanders hinziehen und hat keine Wahl. Die Wahl ob man seine Eltern und die alten Freunde aus der Heimat regelmäßig besucht, hat man aber meistens schon. Und man sollte es tun,
Mitgefühl und Solidarität zeigen und so dann auch seine Kinder erziehen.




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