Gottesstaat

© Bild: Pixapay

Ein einziger, ins Mark gehender Schrei,
zum Schaudern, gellt er durch die Nacht.
Schneidet ein Herz brutal in zwei,
zwischen war und jetzt, eine Wunde klafft,
die niemals mehr zu kitten ist,
er bleibt verschwunden und vermisst.

Behütet und seit Kindheit geliebt,
hat er keine Lust aufs Spießerleben.
Die Vergangenheit, ad acta gelegt,
wird zum Islam konvertieren,
scheißegal – was soll schon passieren.

Brüder und Allah warten schon,
er fand sie glorreich im World Wide Web.
Konnte ihnen tief in die Augen sehen –
plauderte stundenlang im Chat.

Endlich hatte er, was er suchte.
Geht als Dschihadist weit, weit weg.
Die Mutter klagt – hat es geahnt,
den Sohn schert's einen Dreck –
reiste ab, mit dem Koran im Gepäck.


© Soléa P.


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Kommentare zu "Gottesstaat"

Re: Gottesstaat

Autor: Ella Sander   Datum: 14.09.2018 8:42 Uhr

Kommentar: Und wieder voll ins Schwarze getroffen, liebe Soléa!
Tolle Zeilen!

Lieben Gruß,
Ella

Ach, noch was!
Seit gestern bin ich auch bei literatpro unterwegs. Ich habe mich sehr gefreut auch Dich dort entdeckt zu haben :)

Re: Gottesstaat

Autor: Soléa   Datum: 15.09.2018 7:01 Uhr

Kommentar: Danke, liebe Ella! Bin schon länger auf LP und freue mich, dich dort zu sehen …

Hab ein schönes Wochenende und sei lieb gegrüßt
Soléa

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