Ab ins Heim!

​Heute musste sie ins Heim,
das Gefühl war
unscheinbar und klein.
Er zog in ihrer Brust,
der dumpfe,
traurige Verlust.

​Die Kinder hatten beschlossen,
dass es „das Beste“ sei:
1 Zimmer und
zu Mittag
dieser Einheitsbrei!

​Das Heim stank nach Urin
und stillem Tod,
nach altem Mörtel,
Kölnisch Wasser
und verschimmeltem Brot.

​Sie steht am Fenster,
schaut in den Garten,
wo die Tomaten
auf die Ernte warten,
die Schaukel sich
im Wind bewegt,
als ob ein Kind
daneben steht.

​Und in ihren Gedanken
steht geschrieben:

​Wann haben sie aufgehört,
mich zu lieben?


© Steffi Illi


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Kommentare zu "Ab ins Heim!"

Re: Ab ins Heim!

Autor: Susanne Kamjunke   Datum: 24.07.2026 9:48 Uhr

Kommentar: das tut weh, sehr weh...
wir haben meine Großmutter und meinen Schwiegervater ins Heim bringen müssen. Nicht, weil wir sie nicht liebten, sondern weil wir mit ihrer Pflege und medizinischen Versorgung überfordert waren. Ich weiß, wie groß der Schmerz ist, auf beiden Seiten.
Dein Gedicht, liebe Steffi, ist sehr eindringlich. Ich sitze hier und mir laufen die Tränen. Du hast es so real geschrieben. Der Abschied von dem geliebten Garten, das Heim, das nach Urin stinkt... das Bewusstsein, dies ist die letzte Station. Und die Frage nach der Liebe.
Ich danke dir für diese Tiefe.
Liebe Grüße, Susanne

Re: Ab ins Heim!

Autor: Steffi Illi   Datum: 24.07.2026 11:01 Uhr

Kommentar: Liebe Susanne,

​herzlichen Dank für deinen Kommentar.

​Es freut mich natürlich, dass das Gedicht bei dir so angekommen ist, wie es gedacht war, aber es macht mich auch ein bisschen betroffen. Es sollte kein Vorwurf an irgendwen sein.

​Ich habe ein paar Jahre in der Diakonie in der Nachbarschaftshilfe gearbeitet.

Dort waren auch viele Menschen, die ohne die Unterstützung der Diakonie gar nicht mehr zu Hause hätten bleiben können. Auch heute helfe ich noch beim Putzen oder Einkaufen.

Man hört viel und sieht viel, und es macht natürlich betroffen.
​Wie oft höre ich, dass sie nicht mehr möchten und am liebsten gehen wollen, aber sie hier bleiben müssen. Und das Vermissen des Ehepartners ist auch sehr schlimm.

​Es gibt Geschichten, da sträuben sich mir die Haare: von Kindern, die mit ihren Eltern überhaupt nichts mehr zu tun haben wollen oder die nur auf das Geld scharf sind. Es gibt aber auch wunderschöne Geschichten, wo die Kinder alles tun, damit es ihren Eltern gut geht, aber sie leider nicht mehr die Möglichkeiten haben, sie richtig zu versorgen.

​Auch weiß ich, dass es oft überhaupt keine andere Möglichkeit gibt, als die Menschen, die man doch so liebt, in ein Heim zu bringen.

​Ja, du hast recht, es ist für beide ein schwerer Schritt, und ich denke, da braucht es viel Geduld und Verständnis.

Noch mal herzlichen Dank und ich wünsche dir einen schönen Tag.

Liebe Grüße Steffi

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