Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wäre ihm die Schminke ausgegangen.

Auf lange Krücken schief herabgebückt
Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.

An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen.
Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.


Von Alfred Lichtenstein


© Robert Lier


1 Lesern gefällt dieser Text.



Beschreibung des Autors zu "Die Dämmerung (Alfred Lichtenstein)"

Kommentar:
Das Gedicht ist natürlich nicht von mir, aber ich finde es genial, deswegen wollte ich es mal bekannter machen.
Ich finde die sehr bildhafte und doch direkte Sprache toll.
Wer den Sinn in den, mit Worten gemalten Bildern nicht sieht, liest da nämlich nur eine Reihe seltsamer und sinnlos aneinandergereihter Sätze.




Kommentare zu "Die Dämmerung (Alfred Lichtenstein)"

Re: Die Dämmerung (Alfred Lichtenstein)

Autor: mychrissie   Datum: 24.07.2018 12:52 Uhr

Kommentar: Eigentlich müsste man das nicht bekannt machen, denn es müsste eigentlich jeder kennen, der mal die Expressionismus-Anthologie "Menschheitsdämmerung" in der Hand hatte (und natürlich auch aufgeschlagen und gelesen)

Kommentar schreiben zu "Die Dämmerung (Alfred Lichtenstein)"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.