Ein Name fällt ins flimmernde Licht,

getragen von Stimmen, doch kennt man ihn nicht.

Ein Flüstern wird lauter, ein Schatten wird groß,

und plötzlich erscheint etwas völlig haltlos.



Ein Blick, ein Gerücht, ein erfundener Satz,

verbreitet sich schneller als Wahrheit je hat.

Was leise und ehrlich im Hintergrund steht,

verliert gegen Lärm, der viel weiter trägt.



Man misst nicht am Kern, nicht an dem, was besteht,

sondern daran, was am grellsten entsteht.

Ein Funken genügt, und das Urteil ist da,

doch keiner fragt leise: „Ist das denn auch wahr?“



Besonders, wenn Namen von Frauen erklingen,

beginnt man, sie anders zu sehen, zu zwingen

in Bilder, die fremd sind, verzerrt und gemacht,

nicht aus Wahrheit geboren, sondern durch Lügen entfacht.



Denn Wahres ist leise, es schreit sich nicht frei,

es wird überhört – und ist vielen einerlei.



Doch irgendwo still, jenseits vom Blick,

liegt das, was wirklich war – Stück für Stück.

Und wer genau hinsieht, erkennt irgendwann:

Nicht alles, was laut ist, kommt wirklich auch an.



© Angélique Duvier

Zwischen Wahrheit und Echo

© Angélique Duvier


© 2026 Angélique Duvier, Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, sowie des öffentlichen Vortrags. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren reproduziert werden.


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Kommentare zu "Zwischen Wahrheit und Echo"

Re: Zwischen Wahrheit und Echo

Autor: Uschi Rischanek   Datum: 03.05.2026 18:05 Uhr

Kommentar: Liebe Angélique,

ein ausdrucksvoller Text der von seiner Sprachmelodie durchaus geeignet wäre, ihn auch zu singen!

... denn was wohl die Wahrheit uns meist nicht verrät,
liegt wohl hinter Mauern vom Winde verweht.
Auch wenn es nur flüsternd und kaum wahrnehmbar,
so ist erst nach längerer Zeit uns dann klar ~

dass das woraufs ankommt, so sehr schnell vergessen.
Von glitzerndem Tand manchesmal leicht besessen.
Anstatt zu beachten was wirklich von Wert,
liegt selbst oft Realitas ziemlich verkehrt.

Sagt man nicht auch, die Wahrheit ist wohl immer relativ? Je nach Sichtweise und Schräglage zeigt sie sich gar mannigfach.

Ein ganz toller Text in den ich gerne eingetaucht bin liebe Angélique.

Liebe Grüße,

Uschi

Re: Zwischen Wahrheit und Echo

Autor: Jens Lucka   Datum: 06.05.2026 18:04 Uhr

Kommentar: Wird etwas beschriehen in beißender Lüge, so steht es erst einmal im Raum.
Doch niemand schreit wiederrufend die Wahrheit zu künden.
Und Jene, welche einen Wiederruf nicht vernehmen, sehen dich stets in dieser Lüge.
Dieses Tema ist mir sehr vertraut liebe Angélique. Das hast du hier vortrefflich beschrieben.

Liebe Grüße von Jens

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