Tief in uns sitzt ein Bild von uns —
meistens stimmt es nicht.
Wir wurden geformt,
als wir noch zu klein waren,
um Nein zu sagen.
Die Straße der Stiefelmacher
hallt wieder.
Das Gesindel tratscht in der Gülle
über die Revolution,
während im Hinterleib der Schmeißfliegen
das Blut der Adeligen
sich mit dem der Vasallen mischt.
Es hat sich immer gemischt.
Die Hausmeister fegen
die nächste Epoche vom Pflaster.
Über Theaterpläne
kleben neue Flugblätter.
Wäre Hoffnung Atem —
und sie ist es —
könnten wir uns
sekündlich
neu erdenken.
Ein Leben,
in dem die Liebe
nicht verraten wird
von unserem Zerrbild.
Das Puzzle liegt vor uns.
Wir halten alle ein Stück.
Beschreibung des Autors zu "Heimatlos und Zerrbild aus dem Zyklus Licht und Schatten"
Worum es in diesen beiden Gedichten geht
Heimatlos und Zerrbild sind Teil des Zyklus Licht und Schatten, weil sie genau jene Spannung sichtbar machen, in der wir uns als Menschen bewegen: zwischen dem, was uns prägt, und dem, was wir aus uns heraus neu erschaffen können. Heimatlos richtet den Blick auf die äußere Welt – auf Geschichte, Sprache, Ideologien und das Wegsehen, das sich in den Alltag eingeschlichen hat. Es zeigt, wie Worte zu Orten werden, an denen man wohnt, wenn die Wirklichkeit keinen Schutz bietet.
Zerrbild führt diese Bewegung nach innen. Es beschreibt, wie früh geformte Selbstbilder weiterwirken, wie Macht und Geschichte sich in uns einschreiben und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Gleichzeitig öffnet es einen Raum für das Helle: die Möglichkeit, sich neu zu denken, getragen vom Atem der Hoffnung.
Beide Gedichte zeigen, wie Licht und Schatten ineinandergreifen – in der Welt, in der wir leben, und in uns selbst.
Sie sagte Sex
Er sagte Wasser
Sie sagte Kinder
Er sagte Feuer
Sie sagte Geld
Er sagte Erde
Sie sagte Haus
Er sagte Luft
Sie sagte Liebe
Er sagte [ ... ]
Auf der Strasse sagt das Leben.
Höre die Händler
Höre die Kellner.
Höre die Gäste.
Höre die Fremden.
Und dann gehe ins Cafe
Trinke einen Tee.
Lächle. Und liebe die Zeit.
Und Du [ ... ]
Mag sein, wies den Anschein hat, doch recht vermessen,
daß das was wir denken, das wir je besessen,
doch nur als geborgt und geliehen sich zeigt.
Die Tränen von weit her die darob [ ... ]
April ist ein Maler mit Pinseln im Wind,
er malt jeden Tag, wie es ihm gerade gelingt.
Ein Tupfer aus Sonne, ein Strich aus Regen
und plötzlich tanzt ein Bogen dem Himmel entgegen.
Der Wind wirbelte unsere Seelen auf wie Sand.
Sand aus der Wüste,
Sand vom Strand.
Doch er legte sich und sank
indem er eine Melange hinterließ
ein Seelengemisch.
In welcher alles [ ... ]