Einen Wimpernschlag lang.
Im Erwachen
war die Welt noch heil.
Die Kastanie stand
unversehrt.
Die Helden meiner Jugend
lagen nicht im Staub,
waren nicht vergilbt,
nicht verlassen.
Das Gestern –
ein Vers,
ungeschrieben,
weil ich die Augen schloss,
als wollte ich träumen,
als wollte ich das Schweigen
bewahren wie ein Geheimnis,
das nur die Nacht versteht.
Wenn ich Poesie berühre,
reißt ein Riss ins Dunkel.
Ein Atemzug genügt –
und ich bin nichts
als Stimme im Wind.
Doch das Wort hält.
In seiner Stille
finde ich Halt.
Poesie trägt:
über Mauern,
über Jahre,
über unseren Horizont.
Wort ist Atem.
Atem ist Halt.
Halt ist Poesie.
Poesie ist Leben.
In „Wort ist Atem“ habe ich versucht einen Bogen zu schlagen, vom Schweigen der Erinnerung ,hin zur bejahenden Kraft der Sprache. Der Text beginnt in der Stille des Gestern, tastet sich durch Bilder von Vergänglichkeit und Verlust, um schließlich in einer mantraartigen Formel zu münden, die Poesie als Atem, Halt und Leben begreift.
Kommentar:Danke Joachim, du hast das wunderbar beschrieben. Wort ist Atem. Gerade wir, die mit Worten spielen, brauchen diese so sehr wie unseren Atem. Ein schöner Vergleich. Mir ist zum Beispiel heute beim walken ein Lied eingefallen, was ich zum 90. Geburtstag meines Vater umdichten möchte. Es passt hervorragend zu ihm: "Mein Vater war ein Wandersmann..." Es kam einfach so angeflogen. Und ich habe sofort gewusst: DAS ist es! Wir 3 Schwestern und meine Söhne wandern auch so gern und haben es von ihm gelernt. Nun kann er nicht mehr wandern aber er läuft noch ohne Stock und Rollator. Im Dezember wird er 90.
Da siehst du, wie ich dein Gedicht heute quasi live erlebte ;-)
Liebe Grüße
Angelika
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