Im Blattgewirk (Pantun)

© Uschi Rischanek

Im Blattgewirk (pantun *)

Die Bäume wechseln nunmehr die Gewänder,
im Farbgespiel von grün nach gelb und dunkelrot.
Verhaftet Zeit an rostigem Geländer,
beim Anblick der unwirklich mahnend an den Tod.

Im Farbgespiel von grün nach gelb und dunkelrot,
wo Abend sich in tiefstem Selbst verliert.
Beim Anblick der unwirklich mahnend an den Tod,
im Mondgeschein, vom See sanft reflektiert.

Wo Abend sich in tiefstem Selbst verliert,
die Fledermäuse ziehen lautlos Bahnen.
Im Mondgeschein vom See sanft reflektiert,
um an Vergänglichkeit verdeckt zu mahnen.

Die Fledermäuse ziehen lautlos Bahnen ~
verhaftet Zeit an rostigem Geländer.
Um an Vergänglichkeit verdeckt zu mahnen,
wechseln selbst Bäume nunmehr die Gewänder.

© Uschi Rischanek
Text/Bild/Rezitation
Music: Oleksii Kalyna


© Uschi Rischanek


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Beschreibung des Autors zu "Im Blattgewirk (Pantun)"

Zu der Form des Pantuns an sich für Interessierte hier der wikilink:
Pantun:https://de.wikipedia.org/wiki/Pantun
Das Pantun, auch Pantum, Pantoun, ist eine ursprünglich mündlich vorgetragene Gedichtform in malaiischer Sprache. Schriftlich tauchen Pantuns erstmals in den Malaiischen Annalen (Sejarah Melayu) aus dem 16. Jahrhundert und in der Legendensammlung Hikayat Hang Tuah aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf. In Frankreich, England und Deutschland haben Lyriker seit dem 19. Jahrhundert Pantune gedichtet....

Und zur Reimform die eigentlich recht einfach ist hat man den 'Dreh' einmal heraus:

Ein Pantun kann aus beliebig vielen Strophen bestehen. Die Strophen bestehen aus vier Zeilen mit je acht bis zwölf Silben. Gereimt werden diese Quartette im Kreuzreim, also a-b-a-b. Jeweils die zweite und vierte Zeile einer Strophe werden als erste und dritte Zeile der nächsten Strophe wiederholt. Zusätzlich wird die dritte Zeile der ersten zur zweiten Zeile der letzten Strophe und der erste Vers des Gedichtes zum letzten, teilweise bleiben aber erste und dritte Zeile der ersten Strophe auch unvertauscht.

Ein Gedicht mit vier Strophen besteht also aus nur acht verschiedenen Versen (1–8) und vier Reimpaaren (a–d):
1. Str. 2. Str. 3. Str. 4. Strophe

1 (a) 2 (b) 5 (c) 7 (d)
2 (b) 5 (c) 7 (d) 3 (a)
3 (a) 4 (b) 6 (c) 8 (d)
4 (b) 6 (c) 8 (d) 1 (a)

Eine kleine Spielerei der ich mich schon einigemale gewidmet habe ;-))

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Kommentare zu "Im Blattgewirk (Pantun)"

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 22.08.2025 16:57 Uhr

Kommentar: Liebe Uschi,
deine Zeilen und dein Foto haben durch ihr Farbgespiel eine gefühlvolle Ausstrahlung.
Danke, dass du uns ein Pantun erklärt hast. Aber ich bin ehrlich: Wenn ich deine Seite verlasse, ist das aus meinem Hirn weg; dein Gedicht und dein Foto nicht ...
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Wolfgang

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: Uschi Rischanek   Datum: 22.08.2025 17:35 Uhr

Kommentar: Lieber Wolfgang,

ich danke dir für dein Hiersein und dachte mir beinahe schon, dass du so ähnlich reagieren würdest. Doch finde ich es überaus interessant, mit Reimformen ein wenig zu spielen, vielleicht dem vielen Befassen mit Klassikern geschuldet, mag sein. Warum auch nicht, haben sich doch schon Victor Hugo, Charles Baudelaire und der gute Paul Verlaine bereits darin versucht ;-))

Ich schicke liebe Grüße, ein wunderschönes Jugendstilgeländer war das bei einer schon sehr alten Villa und dahinter ein feuerroter Ahorn, alt und riesengroß.

Uschi

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: humbalum   Datum: 23.08.2025 7:17 Uhr

Kommentar: Hallo

Es ist noch früh. Trotzdem probiere
ich mal einen Kommentar. Es ist interessant was es an Kunstformen gibt. Jede Kultur zeigt da ein eigenes Ding. Auf Sri Lanka wurde mit Sprache geheilt. Der Kranke meist
mit seel. Problemen. Kam vor die Dorfgemeinschaft. Und dann gab es das Theater. Er würde allem an Ironie und Sarkasmus und Zynismus ausgesetzt. Er stand da als komische Person. Und war am Ende aber geheilt. Natürlich ist die Schilderung von mir grob. Es war in eine Kultur eingebettet. Und der Kranke wusste auch, die Leute sind auf seiner Seite.
Aber er wird auch von den Leuten vor geführt. Und das hilft um gesund zu werden. Homere soll die Odysee erzählt haben. Homer soll nie auch nur einen einzigen Satz verfasst haben. Alles pure Phantasie. Kreative Lebendigkeit in Höchstform. Fest gehalten und ausgeschmückt haben das Andere. Oder wie war der wahre Jesus. Oder die andere Seite von Ihm.
Wie hat er die Geldwechsler aus dem Tempel geschmissen. Mit sanftem reden und Streicheleinheiten. Glaube ich nicht. Ich glaube der ihnen die Fresse zu Brei geschlagen. Ihnen in Die Eier getreten. Ein paar Arschtritte verpasst. Und die sind aus dem Tempel gekrochen. Ohne schwarze Seiten. Gibt es auch keine Sonnenseiten. Das ist bei jedem Mensch so. Es gibt kein Licht ohne Schatten. Nur die guten Menschen mögen die Sonne in ihrer Seele. Und nicht die Nacht. Und diese Sonne wird dann zum Künstler. Da sie die Nacht in den Menschen kennt. Und mit einem klarem Blick das Leben sieht. Und dafür Worte findet. Und einfach erzählt. Schön von Dir was zu lesen. Ich wünsche Dir einen herrlichen Sonntag. Bus dann! MfG Klaus

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: Alf Glocker   Datum: 23.08.2025 7:46 Uhr

Kommentar: Beeindruckend liebe Uschi!

Liebe Grüße
Alf

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: Uschi Rischanek   Datum: 23.08.2025 9:00 Uhr

Kommentar: Hey Klaus,

hab dich schon vermisst, auch andernorts, ich bin sporadisch ein bisschen 'Irgendwie und Überall', aber wie erwähnt sporadisch, daher...
Die Reihe der von dir Aufgezählten würde sich noch beliebig fortführen lassen da hast du treffliche Beispiele aufgezählt. Bei den Aborigines nehmen die, die mit Problemen oder Sinnkrisen behaftet sind einfach eine Auszeit und verschwinden in der Wildnis, für eine selbstbestimmte bestimmte Zeit lang...
So wünsche ich dir ebenso ein einigermaßen tolles Wochenende mit vielen Kreativmomenten. Ich bin heut wieder auf dem Weg zu meinem Tantchen, daher auch nur kurz. LG Uschi

Hallo Alf,

das freut mich lieber Alf, aber auch du schreibst nahezu immer in bestimmter Gedichtform. Ich danke für die löblichen Worte und schicke

liebe Grüße,
Uschi

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: Michael Dierl   Datum: 04.09.2025 19:23 Uhr

Kommentar: Hallo,

ja schönes Gedicht. Für mich zählt der Spannungsbogen und die Geschichte darin mehr als die reine Satzkonstruktion. Aber ich habe auch nix gegen eine solche, wenn's denn Spaß macht. Auch, dass man Leser etwas in die Irre zieht und zum Schluss ihn dann doch was ganz andere anbietet, finde ich persönlich gut. Schließlich will man ja eine Geschichte etwas anders präsentieren. Der Überraschungsmoment macht, wie ich finde viel aus, denn sowas bleibt dann eher mal im Gedächtnis. Ist eine Werbestrategie! :-))

lg Michael

Re: Im Blattgewirk (Pantun)

Autor: Uschi Rischanek   Datum: 07.09.2025 17:43 Uhr

Kommentar: Hallo Michael,

nach strategischen Gesichtspunkten habe ich dabei gar nicht gedacht, aber wenn du so willst sind Pantun-Texte an sich durch ihr Reimschema so etwas wie eine Spirale in sich verdreht und aneinandergeknüpft. Ich finde diese Gedichtform reizvoll und spiele gerne mit Worten ab und an, natürlich muss es dabei auch Sinn ergeben, klaro.
Der Maler herbst greift nunmehr großzügig in seine Farbtigel, wenn man durch Laubwälder fährt beginnen sie sich wunderfein zu färben und lässt das Fotografenherz in mir gleich höher schlagen.

Ich danke fürs Hiersein und Reflektieren und schicke liebe Grüße,
Uschi

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