Du und ich - zwei Unbekannte,
wie Gestalten, wandelnd durch die Nacht,
weil ein Drang uns übermannte,
nach der Einsamkeit, der stillen Pracht.

Sorgenfreie Blicke schweiften
durch geheimnisvolles Schattenland,
nicht erklärend zu begreifen,
dass ich ohne Suche wissend fand.

Traf dein scheuer Blick den meinen,
schüchtern hielt ich dem Moment kaum stand,
Spannung mag wohl ewig scheinen,
nie zuvor gesehn und doch erkannt.

Deine Blicke streiften zärtlich
mein Gesicht mit Augen voller Glanz;
Du mein Seelenfreund, mein Engel,
nur durch dich verschwinden Sorgen ganz.

Sehnen nur nach der Berührung
doch wag ich den Schritt nicht hin zu dir,
schüchtern träumt mir von Verführung,
Ungewissheit: Strebst auch du nach mir?

Nur der Wunsch: Dir endlos nah sein,
doch hielt ich die Nähe niemals aus,
ein Moment wäscht meinen Geist rein,
gibt der Seele in mir ein Zuhaus.

Zögernd tasten deine Hände,
heimlich fast, als sei es nicht erlaubt,
deine Blicke sprechen Bände,
Hand in Hand, Gefühl das Sinne raubt.

Gehn Sekunden, gehn minuten,
Tage Wochen, Zeit bedeutet nichts,
Alltag ist nicht zu vermuten,
wandeln wir durch Träumerei des Lichts.

Doch vergaßen wir das Leben,
ungebremst zog es an uns vorbei,
endlich spürten wir das Beben,
unaufhaltsam riss es uns entzwei.

Wissen, dass die Seelen eins sind,
reichte nicht um wirklich eins zu sein,
Zeit wird älter, bleibt kein Kleinkind,
holt die schönsten Träume wieder ein.

Liebe fand ich in den Augen,
deinen Zügen voller Zärtlichkeit,
wollte jedes Wort aufsaugen,
deinen Geist erfassen - wär doch Zeit!

Hätte sich nicht Alltag schleichend,
fordernd zwischen Träumerei gemischt,
hätte Liebe uns ausreichend
bleiben können - doch das Licht erlischt.

Blicke in die Zukunft spiegeln
unser Innerstes als ewig eins,
unsre Seelen hinter Riegeln,
horcht mein Herz nach dir, hörst du auch meins.

Niemals kann ich dich vergessen,
deine Seele wie dein reines Herz,
niemand kann das Glück ermessen,
Seelenfreund, und weiß um jenen Schmerz.

Stets werd ich dein Antlitz missen,
deine Augen voller Traurigkeit,
so als sei dein Herz zerrissen,
als dein Geist verwarf die Ewigkeit.


© Theresa Müller


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