Mein Schaukelstuhl

© Jens Lucka

Schmirgel, raspel, Pinselstrich,
geduldig werkeln übe ich.
Alt wird neu mit Leidenschaft,
damit es lange Freude macht.

Lang schon hat er mich beglückt,
mein Schaukelstuhl, mein gutes Stück,
auf dem ich ruhte, manche Stund,
pausieren ist ja sooo gesund.

Die Beine hoch, ein Eis zu schlecken,
nach dem Schlaf mich auszustrecken,
auch den Vögeln hier zu lauschen,
des Sternenblickes mich zu berauschen.

Liebend renoviere ich
den Ruhepol, nicht nur für mich.
Auch den Lieben, die es schätzen,
sich bequem dort hinzusetzen.

Nun steht er da, wie neu erschaffen,
vor dem Haus, mich anzulachen,
mich zu verführen für ein Weilchen,
mich ganz entspannt kurz fortzuschleichen.

Und, knirschen unser beider Glieder,
vertrauensvoll setz ich mich nieder.
Sind wir doch beide nicht mehr so frisch,
alte Liebe rostet nicht.


© Jens Lucka


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Beschreibung des Autors zu "Mein Schaukelstuhl"

Nun wird mein Schaukelstuhl 21 Jahre alt und beglückt mich immer wieder :-)

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Kommentare zu "Mein Schaukelstuhl"

Re: Mein Schaukelstuhl

Autor: Michael Dierl   Datum: 16.04.2026 4:52 Uhr

Kommentar: Hi Jens,

Zu Deinem Gedicht, Super wie immer. Klasse geschrieben, Du gibst dem Stuhl wieder sein Leben zurück und das finde ich gut. Wegschmeißen kann jeder, aber solch ein Ding hat ja eine Geschichte und darum geht es eigentlich. Nun hat der Stuhl sogar noch ein Gedicht bekommen. Was gibt es Besseres als das? NIX!!!

Solch Bastelei kenne ich auch zur Genüge. Ich kann auch nix wegschmeißen nur, weil man neu kaufen kann. Da bin ich noch anders als die heutige Jugend, die leider das Basteln im Kleinen vergessen hat. Mein Opa, Väterlicherseits, hat mir mal gezeigt was man aus einem Baum alles für Spielzeug machen kann. Wie man man aus Weidenholz Pfeifen bauen. Ich meine eine Pfeife, um Töne zu erzeugen. Natürlich geht auch eine mit der man Tabak rauchen kann aber hierfür nimmt man anderes Holz, wie Holunder. Der Pfeifenkopf kann dann auch eine Kastanie sein, die man auf das Holzstück aufsteckt. Aus Kastanien kann man auch nette Männchen herstellen. Aus Lindenholz, weil es sehr weich ist, kann man alles mögliche herstellen. Ich habe mir damals Köpfe für mein Kasperletheater gemacht, weil mir das Krokodil einfach nicht böse genug aussah. Aus Rinde von Fichten kann man, weil sie sehr leicht sind, kleine Schiffe bauen. Mit einem Streichholz als Maßt und einer Gänsefeder, die man zurechtschneidet, ist es ein kleines nettes Boot für das Waschbecken zu Hause oder einer Pfütze draußen. Aus langen Stöcken kann man sich einen Speer bauen oder auch eine Zwille oder auch einen Bogen, um Pfeile abzuschießen. Holz ist hierbei so unglaublich vielfältig einsetzbar. Heute bekommt doch jedes Kind fertiges Spielzeug aus dem Spielzeugladen. Ich habe mir damals vieles selber gebaut, auch, weil meine Eltern nicht so reich waren. Mein Vater musste seine Jugendsünden in Form von Alimente abzahlen und da war Geld bei uns zu Haus knapp. Aber es hat eben einen Vorteil, weil man dann den Kopf einschalten muss, um genauso eine schöne Kindheit zu haben wie andere UND vielleicht sogar eine bessere, weil man mehr weiß und mehr kann!

lg Michael

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