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Die Schnecke, die nicht fressen wollte

Eingestellt von pinkyfisch am 12.05.2010   Aufrufe: 366   Kommentare: 1
Kategorie: Geschichten -> Liebe

Es war an einem schönen Frühlingstag, als die kleinen Schnecken das Licht der Welt erblickten. Sie waren alle ganz klein, hatten aber schon ihr Haus auf dem Rücken. Ganz hungrig waren sie, nach dem sie aus ihrem Steinhaufen gekrochen waren. Und so begannen sie zu fressen.
Die Zeit ging dahin und sie wurden immer größer und dicker.
Unter den vielen kleinen Gartenschnecken befand sich auch eine größere Schnecke. Ihr Name war Sandy.
Als sich mal wieder alle Schnecke im Gartenbeet bei den Pflanzen zum Fressen trafen, war auch Sandy dabei. Gerade biss sie herzhaft in ein Blatt, als eine kleine Schnecke sie fragte:
"Wer bist du denn? Auch eine Schnecke? Du bist viel größer und dicker als wir. Du frisst uns alles weg."
Die anderen Schnecken in der Umgebung stimmten mit ein und alle riefen:
"Du bist zu dick, du frisst uns alles weg!"
Sandy erschrak. Sie schaute auf die kleine Schnecke hinunter und merkte, dass sie recht hatte.
Aber sie hatte doch so einen Hunger!
"Ich bin zu dick?" dachte Sandy und ließ das Blatt liegen.
"Ja, du hast recht", sagte Sandy und zog sich traurig in ihr Schneckenhaus zurück. Sie dachte viel über die Worte der anderen Schnecken nach.
Es war Abend geworden und alle anderen Schnecken hatten sich zurück gezogen und schliefen. Sandy streckte ihr Fühler aus und berührte das Blatt, das vor ihr lag. Sie hatte so einen Hunger. Langsam begann sie zu fressen.
"Hmmm.... das tat gut", dachte sie. Danach zog sie sich wieder in ihr Haus zurück.
Am nächsten Tag, als sie aufwachte hatte sie den Zwischenfall schon fast wieder vergessen, bis sie die anderen Schnecken wieder sah.
"Bist du immer noch hier? Geh weg du verfressene dicke Schnecke. Du gehörst nicht zu uns. Nimm mal ab. Du sollst verschwinden!"
Das verletzte Sandy so sehr, dass sie sich auf den Weg machte. Sie verkroch sich aus diesem Garten, in dem alle so gemein zu ihr waren und keiner sie haben wollte.
In den nächsten Tagen und Wochen frass sie nicht mehr und wurde immer dünner und schwächer, so dass sie bald nicht mehr kriechen konnte.
So zog sie sich immer mehr in ihr Haus zurück.
"Nur einen Grashalm", dachte Sandy ganz verzweifelt.
"Ein Grashalm kann nicht schaden, ich habe solchen Hunger" und so streckte sie ihren Kopf aus dem Haus und begann ganz langsam zu fressen.

"Hey, wer bist du denn"? fragte da eine Stimme hinter ihr.
"Oh je, schon wieder jemand, der mich nicht fressen lassen will", dachte Sandy und zog sich in ihr Haus zurück.
Plötzlich wackelte es und sie merkte, dass sich etwas Schweres auf ihr befand.
"Klopf klopf" machte es. Wer war das denn?
Sie streckte den Kopf ganz vorsichtig raus.

"Warum bist du in deinem Haus, wenn ich mit dir rede"? fragte da die Stimme wieder.
"Du willst mir doch auch nur sagen, dass ich dick bin und dass ich nichts fressen soll", verteidigte sich Sandy.
"Und jetzt geh sofort von mir runter, du bist so schwer!" beschwerte sich Sandy.

"Ist ja gut, bin ja schon fast unten", sagte die Stimme und eine Schnecke tauchte vor ihren Augen auf.
Doch was war das? Diese Schnecke war noch viel größer und dicker als sie.
"Wer bist du"? fragte Sandy vorsichtig.
"Mein Name ist Chris", antwortete die Schnecke.
"Was hast du gesagt? Du bist zu dick? Wer sagt das? An dir ist doch nichts dran." sagte Chris
"Die Schnecken aus dem Garten da drüben haben das gesagt", sagte Sandy weinerlich.
Chris lachte und konnte gar nicht mehr aufhören.
"Warum lachst du"? fragte Sandy ganz erstaunt.
"Weil...weil...das sind Gartenschnecken...", lachte Chris.
"Die sind viel kleiner als wir! Die wollten nur den Salat für sich haben. Und du hast denen geglaubt und wärst fast verhungert! Wir sind Weinbergschnecken. Wir sind so groß! Die haben uns gar nichts zu sagen. Jetzt friss erst mal und dann ruhen wir uns aus", sagte Chris.
Und so machten sie es dann auch. Chris erzählte ihr von seinen Abenteuern, die er schon bestanden hatte. Von Regenwürmern und Vögeln, die ihn fressen wollten.
Sandy hörte ganz gespannt zu. Plötzlich kamen ihr ihre Probleme ganz klein vor.
Doch Chris beruhigte sie und kroch ganz nah an sie ran.
"Jetzt wird dich keiner mehr verletzten. Ich passe auf dich auf, dass Du genug frisst und dass dich kein Vogel fängt. Gemeinsam schaffen wir das. Die Probleme die man selber hat, sind für einen selbst immer die Schlimmsten, bis man über die Grenzen hinaus schaut und merkt, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Wir können jedes Problem gemeinsam lösen, denn wir haben uns gern. Jetzt lass uns aber schlafen. Du musst zu Kräften kommen."

Und so schliefen sie ruhig und friedlich ein. Sandy war sehr froh, Chris getroffen zu haben.
Gemeinsam lebten sie ihr Schneckenleben, bekamen Kinder, erlebten noch viele Abenteuer und Chris passte gut auf Sandy auf. So wie er es versprochen hatte.

Beschreibung des Autor

Die Schnecke in der Geschichte wird gemoppt, weil sie größer und dicker ist, als die anderen. Sie frißt nicht mehr, wird traurig und liebt sich selbst nicht mehr, bis sie durch eine gleichgesinnte Schnecke aufmerksam gemacht wird, dass sie anders ist als die, die sie geärgert haben. Gemeinsam mit dem neuen Partner lernt sie, sich selbst zu akzeptieren, sich und ander zu lieben.

Die Geschichte sagt aus, dass " wenn man sich nur nach der Meinung anderer richtet, und sich anpassen will " scheitert. Sich selbst zu erkennen und seine Persönlichkeit zu leben, darauf kommt es an. Das macht glücklich.

In unserer Zeit wird so viel nach Äußerlichkeiten geurteilt, dass der Blick auf das Wesentlich oft verloren geht. Daher sollten immer Sinne geöffnet werden, mutig das wahre ICH zu erkennen.

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Kommentare

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2. Eingestellt von maja_luisa am 24.05.2010

Ich finde Deine Geschichte so phantastisch und sehr schön geschrieben. Auch ich kenne das, gemobbt zu werden. Gerade in der heutigen Zeit findet es häufiger statt als man denkt. Das fängt schon bei den ganz kleinen Kindern in der Krippe an. Hab ich selbst erlebt. Da war ein kleiner 2 jähriger Junge, aber ziemlich dick. Kein gleichaltriges Kind wollte mit im spielen. Den haben die anderen Kinder gekniffen und gehaun. Der hat immer nur geweint.
Habe aber auch sehr oft in meinem Leben Mobbing erlebt. Egal aus welchen Gründen. Man war halt besser als manch Festangestellte und wurde viel gelobt. Das ertragen dann so viele Mitarbeiter nicht. Sie bräuchten einfach nur ihre Einstellung zur Arbeit ändern anstatt mißgünstig zu sein.
Mobbing, in Form von übler Nachrede, falsche Anweisungen geben, falsch anlernen, Fallen stellen, usw.... die ganze Bandbreite. Man fühlt sich allein.
Liebe Grüße Maja_Luisa

 

1. Eingestellt von LeonieLucas am 15.05.2010

Liebe pinkyfish,
deine Geschichte gefällt mir ganz gut, auch wenn für mich persönlich die Kernaussage ist, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt und dass ein wohlmeinender Betrachter sehr hilfreich ist um zu sich selbst stehen zu können. Na ja und das jemand von außen Dinge erkennt, die unser verschüchtertes Selbst gar nicht mehr wahr nimmt: nämlich dass wir anders sind, eine andere At, eine andere (Persönlichkeits)struktur haben, als jene die uns benutzen um sich besser zu fühlen oder sich zu bereichern.
Was mich aber wirklich ein wenig erschüttert, vielleicht, weil ich früher auch und auch heute noch manchmal dazu neige, ist dein Bedürfnis deiner/ Geschichte(n) eine sehr ausführliche Beschreibung folgen zu lassen.
Okay, vielleicht zeigt, meine Interpretation, dass nicht jeder Leser genau, das sieht, was du möchtest, sondern nur so ungefähr..
Ich habe inzwischen gelernt ,dass ich genau DAS spannend finde: Wenn mir Reaktionen von Lesern zeigen,dass ich Ihnen etwas geben konnte.Dass sie etwas fanden was sie \"brauchen \"konnten für sich!

Weißt du, trau deinen Lesern doch einfach, dass sie dich verstehen- oder nein - trau DIR. dass du es schaffst mit deinen Gleichnissen aus der Tierwelt, viel im Leser zu berühren und ihn zum Nachsinnen zu bewegen...
LG
Leonie